Ein Klassenkollegium besteht in der Regel aus acht bis zwölf Lehrerinnen und Lehrern, die in unterschiedlichen Fächern verschiedene Eindrücke von ihren Schülerinnen und Schülern gewinnen. Der regelmäßige Austausch über die Kinder, an dem alle Kollegen teilnehmen können, ist an einer großen Schule wie dem Ratsgymnasium nicht immer leicht. Aus diesem Grund haben wir sogenannte pädagogische Konferenzen verbindlich eingeführt, in denen sich das gesamte Klassenkollegium über die Kinder austauscht. Im Vordergrund stehen bei diesen Gesprächen nicht so sehr die Leistungsbewertungen, sondern Fragen nach den Sozialkompetenzen der Kinder, der Integration in die Klassengemeinschaft, eventuell außerschulischen Problemsituationen oder nach dem Bedarf besonderer Fördermaßnahmen.

Ansprechpartnerin: Silke Klar

„Bibliotheksgespräch“ mit Verfassungsschützer Werner Sprado

Im Rahmen der „Bibliotheksgespräche“ hatte die Vereinigung ehemaliger Ratsgymnasiasten ihr Mitglied Werner Sprado (Jahrgang 1950, Abitur 1969) eingeladen. Er berichtete von seinem beruflichen Werdegang als Verfassungsschützer – und von den politischen Einflussnahmen, denen die Geheimdienste stets ausgesetzt waren und sind.

 „Für die einen war ich auf dem rechten Auge blind, für die anderen auf dem linken. Ich weiß gar nicht, wie ich immer ins Büro gefunden habe“. Mit dieser Aussage verdeutlichte Sprado, dass die Geheimdienste stets zur politischen Manövriermasse im politischen Prozess gehört haben. Als stellvertretender Präsident des sachsen-anhaltinischen Landesamts für Verfassungsschutz bekam er das in den 1990er-Jahren besonders deutlich zu spüren, als SPD-Ministerpräsident Reinhard Höppner nur mit Duldung durch die PDS, die Vorgängerpartei der Linken, in Magdeburg regieren konnte. Zu den Aufgaben des Verfassungsschutzes gehörte die Durchleuchtung der Biografien von bestimmten Funktionsträgern im Hinblick auf ihre Verstrickungen im DDR-Unrechtssystem. „Da wurde immer wieder versucht, uns auszubremsen“, so Sprado, „einige in der PDS wollten den Verfassungsschutz insgesamt zur Disposition stellen.“

Einen Teil der Vorbehalte kann er heute nachvollziehen, denn der Föderalismus sei in der Strukturierung der Geheimdienste übers Ziel hinausgeschossen. Kleinere Bundesländer wie Sachsen-Anhalt mit 2,3 Millionen Einwohnern benötigten nicht unbedingt eine eigene Landesbehörde. Die Zusammenlegung des Verfassungsschutzes mehrerer kleiner Bundesländer wäre sinnvoll. Letztlich habe auch der Fall Anis Amri gezeigt, dass zu viele Dienststellen bei der Aufklärung und Verfolgung hinderlich seien.

Interessant für die Schüler im Publikum war auch, wie man überhaupt zum Geheimdienst kommt. „Das war nicht mein erklärter Berufswunsch“, erzählte Sprado. Er wollte eigentlich Gymnasiallehrer für Geschichte und Biologie werden. Nachdem er bereits das Staatsexamen in der Tasche hatte, wurden ihm vertiefende Seminare in der Faschismusforschung angeboten. Er schrieb sich ein. Später stellte sich heraus, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz ein Auge auf die Absolventen geworfen hatte und einige zu Gesprächen einlud. „Man bot mir einen attraktiven Aufgabenbereich an und so sagte ich zu.“ In der Folge war Sprado mit Rechts-, Links-, Ausländerextremismus und Geheimschutz befasst, er machte in Köln, Bremen und Magdeburg Karriere. Als Mitglied im SPD-Ortsverein Neustadt-Wüste und Mitglied im Stadtrat von 1976 bis 1991 ist er dabei seiner Heimatstadt stets verbunden geblieben.

Zur aktuellen Sicherheitslage meinte Sprado, dass die Bedrohungen heute größer seien als je zuvor. „Wir wissen viel zu wenig über die ‚Schläfer‘, die in keinem Verfassungsschutzbericht aufgezählt werden, weil sie sich völlig unauffällig verhalten und niemals etwa in einer Salafisten-Moschee auftauchen würden.“ Die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Geheimdienst NSA, der über weitergehende Instrumente etwa der Kommunikationsüberwachung verfüge als die Inlandsdienste, werde zwar vielfach kritisiert, sei aber unter Sicherheitsgesichtspunkten sehr wertvoll und habe schon einige Anschläge hierzulande verhindert. Ein Gefahrenpotenzial liege auch in der großen Zahl nur lückenhaft erfasster Migranten, die seit 2015 ins Land gekommen seien. Leider werde eine offene Auseinandersetzung darüber immer noch unterdrückt. Teile der Politik versuchten, die Probleme „klein zu reden und gesund zu beten“, so Sprado. Davon nahm er die meisten Innenminister der Länder aus, „denn die haben es ja mit der Realität zu tun“. In Geheimdienstkreisen werde gewitzelt, das Kommunistische Manifest müsste eigentlich umgeschrieben werden und so lauten: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Realität“.

Der Moderator des Abends, das Vorstandsmitglied der Ratsgymnasiums-Ehemaligen Volker Lüdemann, resümierte: „Es bewegt sich halt jeder von uns in seiner persönlichen Wahrnehmungs-Filterblase.“

BU:

Verfassungsschützer Werner Sprado (Mitte) sprach im Ratsgymnasium auf Einladung von Volker Lüdemann vom Vorstand der Ehemaligen-Vereinigung (links) und Schulleiter Lothar Wehleit.

23.10.2017,  Text & Foto Joachim Dierks

 

Eine aus Lehrern und Schülern zusammengesetzte Arbeitsgruppe konzipierte einen Evaluationsbogen, der in der Schule  genutzt wird, um Rückmeldungen bezüglich des  Unterrichts einzuholen. Dies ermöglicht den Lehrern, den pädagogischen Blick auf das Unterrichtsgeschehen aus einer anderen Perspektive, so dass sich hieraus Gesprächsanlässe und Verbesserungsmöglichkeiten ergeben können. Der Bogen kann weiterhin auf individuelle Wünsche und Fragestellungen hin modifiziert werden.

Ansprechpartnerin: Saskia Nicolai

Die MINT Sommerakademie Osnabrück ist eine Kooperation des Schüler-Forschungs-Zentrums (SFZ) Osnabrück, der Universität und der Hochschule Osnabrück mit acht Gymnasien der Osnabrücker Region. Sie hat das Ziel, besonders begabte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler aus dem Jahrgang 8 zu fördern.

Bei der MINT-Akademie können Schülerinnen und Schüler bereits in jungen Jahren ihren Interessen im technischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich nachgehen bzw. diese entdecken. Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Teamfähigkeit verbessern, indem sie mit ihnen bis dahin unbekannten Schülern anderer Schulen zusammenarbeiten. Das entdeckende Lernen sollte im Vordergrund stehen.

Kurse werde unter anderem angeboten in den Fachrichtungen Informatik, Systemwissenschaften, Elektrotechnik, Kunststofftechnik, Gartenbau, Bodenkunde, Media & Interactive Design oder Materialkunde und Dentaltechnologie. Aus dem Kursangebot kann sich jeder Teilnehmer zwei Kurse auswählen, die jeweils einen vollen Tag dauern.

Die MINT-Sommerakademie findet parallel zur JMCE Schülerakademie des Jean Monnet Centre (Universität Osnabrück) statt.

 

Ansprechpartner: Robert Stutzenstein

Dieses europabezogene Bildungsprogramm für Schülerinnen und Schüler aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück hat als Ziel, jungen Menschen in der Region Osnabrück die Europäische Union, ihre Tätigkeiten, Spezifika und Aktivitäten näher zu bringen und sie für europabezogene Themen zu sensibilisieren und  zu begeistern. Dabei darf sich das Ratsgymnasium als Gründungsschule dieser Akademie des Jean Monnet Centre of Excellence in European Studies rühmen.

Jährlich kann jede beteiligte Schule ca. 8 bis 10 Schüler und Schülerinnen an diese Akademie schicken, bei der aus einem umfangreichen Kursangebot jeweils zwei eintägige Kurse gewählt werden können. Exemplarisch seien hier Kursthemen vergangener Jahre angeführt: „Wer hat’s erfunden? – Guerilla Gardening und seine Wurzeln in der Kunst des 20. Jahrhunderts“, „Politikwissenschaften: Wie Bürgerinnen und Bürger in Brüssel ihre Interessen zur Geltung bringen können“, „Bilder – im Kopf, im Museum, in den Medien: wie wir auf Migration blicken und was daran irreführend sein kann“, „Rechtswissenschaften: Die Sicherstellung, dass bei Lebensmitteln ,drin ist, was drauf steht‘“ oder „Comics als kulturelle Landkarte Europas“.

Ansprechpartnerin: Maria Döring

Im Seminarfach wird auf wissenschaftliche Methoden vorbereitet. Oft erwarten Hochschulen heutzutage schon von Anfang an entsprechende Vorkenntnisse.
Das Seminarfach wird 2-stündig in der Qualifikationsphase unterrichtet.
Im Mittelpunkt steht die Erstellung einer Facharbeit im 2. Halbjahr. Dazu werden im 1. Halbjahr Methoden erarbeitet. Im 3. Halbjahr geht es um Präsentationsmethoden, im 4. Halbjahr werden studien- und berufsvorbereitende Projekte durchgeführt.
Thematisch ist das Seminarfach an den gewählten Schwerpunkt angelehnt.
In der Regel ist der Tutor der Seminarfachlehrer.

Ansprechpartnerin: Margit Schaa

 

Seit 1986 gibt es alle 2 Jahre einen Ruderaustausch der Schülerruderriege des Ratsgymnasiums mit Kalifornien/USA, das Highlight für jeden, der am „Rats“ rudert! Etwa 15-20 Mädchen und Jungen aus den Klassen 10-12 fliegen für 4 Wochen nach San Francisco/Oakland, San Diego, Los Angeles/Newport Beach und sind etwa 3 Wochen in wechselnden Gastfamilien untergebracht. Neben dem regelmäßigen Rudertraining vor Ort nehmen die SchülerInnen an Regatten teil und lernen im Rahmen eines umfassenden Sightseeingprogramms „Land und Leute“ kennen. Im regelmäßigen Wechsel erfolgt ein Gegenaustausch der Amerikaner in Osnabrück, gleichfalls verbunden mit einem Aufenthalt in Gastfamilien, Rudertraining am Bootshaus, Teilnahme an einer Ruderwanderfahrt und einem Sightseeingprogramm in Osnabrück, Berlin sowie Nord- oder Süddeutschland.

Ansprechpartner: Hartwig Ahrens

Der Umgang mit digitalen Endgeräten, seien es PC, Laptop, Tablet oder Smartphone, gehört inzwischen zu den Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das umfasst auch den kritisch-reflexiven Umgang mit den Inhalten und Kommunikationsformen im Internet und in sogenannten sozialen Netzwerken. Schulische Bildung und Erziehung kann sich dem nicht verschließen oder entziehen, sondern muss sich den technischen wie pädagogischen Herausforderungen stellen, die sich aus der Digitalisierung unserer Alltags- und Arbeitswelt ergeben.

Zugleich muss festgestellt werden, dass es digitale Bildung ebensowenig gibt wie analoge Bildung. Bildung ist ein individueller Aneignungs- und Lernprozess, der durch digitale Geräte und Inhalte gefördert oder auch behindert werden kann. Die Nutzung neuer Medien wie PCs, Laptops, Tablets oder Smartphones bringt für sich genommen erst dann einen Vorteil, wenn sie den Lernerfolg, die Zusammenarbeit und die Motivation der Schülerinnen und Schüler steigert, wenn sie die Arbeit der Lehrkräfte erleichtert und den Unterricht durch ihre Vielfalt bereichert. Das Ratsgymnasium Osnabrück hat daher ein Medienbildungskonzept erarbeitet, das weder die alte Kreidetafel verdammt noch die digitalen Angebote als alleinseligmachend betrachtet.

Das Medienbildungskonzept beruht auf den fünf Säulen des Medienbildungskonzeptes des Landes Niedersachsen: 1. Bedienung und Anwendung, 2. Information, Recherche und Erhebung, 3. Kommunikation und Kooperation, 4. Produktion und Präsentation, 5. (Medien-) Analyse, Medienkritik und ethische Reflexion. Zugleich ist dieses Konzept dynamisch und muss permanent weiterentwickelt werden. Es steht in enger Beziehung zum Präventionskonzept des Ratsgymnasiums.

 

Friedemann Neuhaus (Stand: Oktober 2017)

Die Herbstakademie 2017 – veranstaltet von Hochschule und Universität Osnabrück sowie acht Osnabrücker Gymnasien – konnte für 24 Schülerinnen und Schülern des Rats vertiefte Einblicke in akademische Themen, Institute und Vorgehensweisen bieten.

Während der Einführungsveranstaltung konnten die Teilnehmer einem Vortrag „Unterwegs in eine enkeltaugliche Neue Aufklärung 2.0“ von Ernst Ulrich von Weizsäcker beiwohnen. Die anschließende Diskussion konnte für viele Teilnehmer fruchtbare Perspektiven für die Gestaltung der Zukunft der Menschheit auf dieser Erde eröffnen.

In zwölf Kursen zu den Themen Amerikanistik, Werkstofftechnik, Biologie, Informatik, Geschichte, Verfahrenstechnik, Soziale Arbeit, Experimentelle Ethik, Lebensmittelwissenschaften, Soziologie, Bildende Kunst und Systemwissenschaft konnten die Teilnehmer an drei Tagen in den Herbstferien neben der fachlichen Auseinandersetzung interessante Erfahrungen über studentisches Leben und akademische Einrichtungen sammeln. Beim Präsentationstag im November wurden dann die Ergebnisse der einzelnen Kurse vorgestellt, sei es die Entstehung und Bedeutung von „Fake News“, die Herstellung von marktfähigem Apfelsaft, die gentechnische Analyse von Erbkrankheiten, die Simulation der Populationsentwicklung von Inselvölkern, ein Quartierrundgang am Rosenplatz mit der Perspektive des Sozialarbeiters und Städteplaners, philosophische und ethische Gesichtspunkte bei der Entwicklung von selbstfahrenden Autos oder die Implementation von Schwarmverhalten bei miteinander kommunizierenden Robotern.

Die Organisatoren hoffen, dass durch die Herbstakademie Berührungsängste zu akademischen Einrichtungen abgebaut werden, Einblicke in universitäre Arbeitsweisen gewonnen werden konnten und vielen Teilnehmern die Entscheidung über ein anzustrebendes Studienfach erleichtert wird – und sei es nur die Einsicht, dass es das Fach des eigenen Kurses nun doch nicht werden soll.

Text & Foto Robert Stutzenstein, 16.10.2017

Liebe Mitglieder,

erstmals zog es Vorstand und Beirat der Ehemaligen-Vereinigung für eine Sitzung hinaus in die Welt. Genauer gesagt, in die Niederlande, nach Den Haag. Wir folgten einer Einladung unseres Beiratsmitglieds Uwe Hinxlage, der dort die Deutsche Internationale Schule Den Haag (DISDH) leitet.

Wir lernten eine Schule kennen, die in vielerlei Hinsicht „anders“ ist. Es geht damit los, dass die DISDH als Privatschule letztlich nach der Pfeife des Schulvereins tanzen muss, der Träger und Eigentümer ist. Hier haben die – zahlenden – Eltern eine institutionelle Mehrheit. Da viele Eltern in gehobener Position in Botschaften, Konsulaten oder einer der zahlreichen internationalen Organisationen arbeiten, hat Hinxlage es mit einer „insgesamt recht anspruchsvollen Klientel“ zu tun, wie er es diplomatisch ausdrückt. Das Schulgeld beträgt 7350 Euro pro Schuljahr, was im Vergleich mit anderen internationalen Schulen in Den Haag eher wenig ist. Das wiederum liegt daran, dass der deutsche Staat Zuschüsse gibt. Er hat ein Interesse daran, dass Deutsche im Ausland eine Schulversorgung nach deutschen Standards erhalten. An der DISDH legen die Schüler nach dem 12. Schuljahr die Deutsche Internationale Abiturprüfung (DIAP) ab. Die DIAP ist die internationale Variante des regulären deutschen Abiturs. Dieser Abschluss wird auf der ganzen Welt anerkannt und ermöglicht ein Studium sowohl in Deutschland als auch im Ausland. „Insofern haben wir es bei Lehrplänen und Prüfungsanforderungen auch mit der deutschen Kultusministerkonferenz zu tun“, erklärte Hinxlage.

Einige Einflussnehmer sind damit beschrieben. Formal bezeichnet sich die Schule als „unabhängig“. Das trifft insofern zu, als Hinxlage keine Dienstanweisungen einer ministeriellen Schulbehörde empfängt, obwohl er weiterhin aus Deutschland bezahlt wird. Aber viele wollen mitreden, wenn es um Schule geht. Das ist in Deutschland so und noch mehr im Ausland. Großunternehmen, die teils das Schulgeld für ihre Angestellten übernehmen und darüber hinaus als Spender auftreten, verschaffen sich Gehör. Und wenn der ägyptische Botschafter sich beim deutschen Amtsträger beschwert, dass Hinxlage seinen Sohn (aus guten Gründen) nicht aufnehmen will, dann kommt es auch schon mal zu einer Einflussnahme auf diplomatischem Wege. Mehr als ein Schulleiter in Deutschland hat er zwischen widerstreitenden Interessenvertretern zu vermitteln. Und muss gleichzeitig auf großer internationaler Bühne repräsentieren, ganz zu schweigen von fast regelmäßigen Abend- und Wochenendterminen. So manch einen Kollegen zerreibt es dabei. Die wenigsten stehen die sechs Jahre, auf die so ein Auslandseinsatz angelegt ist, durch.

Hinxlage leitet die DISDH seit 2013. Er hat sich eine gewisse Robustheit zugelegt. Zudem ist diese nicht seine erste Auslandsmission. Von 1998 bis 2001 lehrte er an der deutschen Schule in Washington, D.C. Danach rief ihn die Heimat zurück. An der Gesamtschule Schinkel wurde er zunächst Fachbereichsleiter und ab 2005 stellvertretender Schulleiter. 2013 packte ihn wieder die Lust auf neue Herausforderungen, um nicht zu sagen Abenteuer. Seitdem ist er der Dompteur eines bunt zusammengesetzten Kollegiums und von 400 Schülern aus 33 verschiedenen Nationen, angefangen bei den Dreijährigen im Kindergarten bis zu den Abiturienten. Und er hält die Tradition einer Schule hoch, die seit 1863 wichtige Anlaufstelle für deutsche Sprache und Kultur und ein Teil des internationalen Lebens in Den Haag ist.

Auf dem Rundgang durch die Schule wunderten wir uns zunächst über die hermetische Abgeschlossenheit des Schulkomplexes und die Omnipräsenz von Wachleuten. Seit den Terroranschlägen in Belgien und Frankreich entschloss sich der Schulverein zu einer deutlichen Verschärfung des Sicherheitsstandards. Erstaunlich fanden wir auch, dass das Schulgebäude mit seiner nach unserem Empfinden eher nichtssagenden Sechziger-Jahre-Architektur unter Denkmalschutz steht. Das hat für Hinxlage die Konsequenz, dass er vor jedem Nagel, den er in die Wand hauen will, fragen muss. Die „Monumentenwacht Nederland“ verstehe keinen Spaß. Wenn Auflagen nicht eingehalten würden, drohten saftige Strafen.

Bemerkenswert fanden wir die gute schultechnische Ausstattung. Jeder Klassenraum verfügt über ein elektronisches Whiteboard. Schmunzeln mussten wir im Kindergarten-Vorraum über die fein säuberlich an den Garderobenhaken hängenden „LiceSafe“-Säcke. Um die Übertragung von Kopfläusen über die Kleidungsstücke zu verhindern, muss jedes Kind seine Jacke in einen Läusesack stecken.

Nach unserem „Arbeitsbesuch“ in der Schule luden uns Uwe Hinxlage und seine Frau in ihre Privatwohnung auf einen „Borrel“ ein. Das ist der niederländische Begriff für einen zwanglosen Umtrunk am Abend unter Darreichung von Häppchen. Es wurde außerordentlich „gezellig“ und wir denken mit schlechtem Gewissen daran zurück, was wir Uwe und seiner Familie mit unserer übergroßen nächtlichen Ausdauer zugemutet haben. Egal, am nächsten Morgen traten wir pünktlich zur Stadtbesichtigung an, bei der uns Uwe die Regierungshauptstadt mit ihren historischen Gebäuden, Einkaufsstraßen, dem Regierungssitz, dem Königsschloss in Wassenaar und den zahlreichen internationalen Institutionen näher brachte. Die Deutsche Evangelische Kirche in der Bleijenburg stellte uns Pastor Jan Mathis vor. Sie ist ähnlich der Deutschen Schule ein Integrationspunkt für die deutsche Community. Dabei trafen wir auf den ehemaligen Ratsgymnasiasten Ulrich Thöle (Abitur 1968), der als Rechtsanwalt in Den Haag lebt und arbeitet und der Kirche als Prädikant dient.

So dankbar wir Uwe Hinxlage und seiner Frau für ihre übergroße Gastfreundschaft sind, so wenig stehen wir bei unserer Vereinigung in der Schuld. Das nur als Hinweis an die Kassenprüfer: Wir Mitreisenden haben alles selbst bezahlt und die Vereinskasse mit keinem Cent belastet! Und sind darüber hinaus ökologisch korrekt mit der Bahn gereist, mit einmal Umsteigen – zweiter Klasse, und das als erstklassiger Verein.

Für die Reisegruppe aus Vorstand und Beirat:
Joachim Dierks.